Low growth

Auswirkungen einer anhaltenden Wachstumsschwäche. Eine Szenarienanalyse

Das Projekt „Auswirkungen einer anhaltenden Wachstumsschwäche – Eine Szenarienanalyse“ beschäftigte sich mit der Frage, wie die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft mit einem dauerhaft geringen Wirtschaftswachstum (gemessen am Bruttoinlandsprodukt) zurechtkommen kann.

Um die Gründe, Konsequenzen und Strategien im Umgang mit einer anhaltenden Wachstumsschwäche angemessen analysieren zu können, wurden ein Wachstumsschwäche- und ein Maßnahmenszenario entwickelt und mit dem Umwelt-Energie-Wirtschaft-Modell e3.at  umfassend analysiert. Durch diese integrierte Betrachtung wurden sich gegenseitig verstär-kende aber auch kompensierende Wirkungen sichtbar.

Im „Wachstumsschwächeszenario“ wurden inländische und ausländische Faktoren miteinander kombiniert und einem Referenzszenario ohne Wachstumsschwäche gegenübergestellt. Als ausländische Ursachen wurden eine Verschlechterung der Außenhandelsbilanz und Preissteigerungen bei Ressourcen betrachtet. Als inländische Ursachen wurden eine anhaltenden Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte sowie ein verändertes Zuwanderungsverhalten und ein damit verbundenes vermindertes Arbeitskräfteangebot angenommen.

Die identifizierten Gründe wurden so aufeinander abgestimmt, dass eine durchschnittliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts von 0,55% per anno bis 2025 erreicht wurde. Diese Wachstumsrate wurde in Abstimmung mit den AuftraggeberInnen als gangbare Lösung ausgewählt. Eine stärkere Abschwächung des Wachstums wurde vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung als nicht plausibel erachtet. Für das Referenzszenario wurde eine durchschnittliche Wachstumsrate des österreichischen Bruttoinlandsprodukts von ca. 2,0% p.a. angenommen.

Die Szenarioergebnisse zeigen, dass die makroökonomischen Folgen einer Wachstumsschwäche in Österreich markant sind: Am Arbeitsmarkt kommt es neben einer Verknappung des Arbeitsangebotes (infolge der reduzierten Migration) auch zu einer verringerten Arbeitsnachfrage, da die Konsum -, die Investitions- und die Exportnachfrage nachlassen. Auch der Staatshaushalt ist negativ betroffen. Zwar wachsen die Staatsausgaben wegen der geringe-ren Bevölkerungsentwicklung langsamer, die Steuereinnahmen verringern sich jedoch im größeren Ausmaß. Dennoch ist nicht von einem „Weniger“ sondern nur von einem „weniger Mehr“ auszugehen. Trotz der teilweise erheblichen Eingriffe steigt im Wachstumsschwäche-szenario das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Der Konsum pro Kopf entwickelt sich jedoch erst zum Ende des Simulationszeitraums – aufgrund des unterstellten geringeren Bevölkerungsanstiegs – positiv.

Aus ökologischer Perspektive führt eine anhaltende Wachstumsschwäche in Österreich unter den gegebenen Rahmenbedingungen zwar zu einem geringeren Anstieg des Ressourcen-verbrauchs als im Referenzszenario, jedoch nicht zu einer absoluten Reduktion im Zeitablauf. Auch die CO2-Emissionen steigen über die Zeit weiterhin leicht an. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass eine anhaltende Wachstumsschwäche automatisch in der Lage ist, energie- und umweltpolitische Zielsetzungen zu erfüllen.

Aufbauend auf den Ergebnissen des Wachstumsschwächeszenarios wurde in einem Maßnahmenszenario analysiert, ob und wie politische Maßnahmen in der Lage sind, negativen Auswirkungen einer Wachstumsschwäche entgegen zu wirken. Die Maßnahmen wurden so konzipiert, dass sie der öffentlichen Hand keine zusätzlichen Kosten verursachen. Ebenso wurde auf explizit wachstumsfördernde Maßnahmen verzichtet.

Konkret wurden in Abstimmung mit den AuftraggeberInnen und ausgewählten ExpertInnen die folgenden Maßnahmen ausgewählt:

  • 10%ige Arbeitszeitverkürzung, die kostenneutral gestaltet wird, d.h. die Löhne erhöhen sich im Ausmaß der induzierten Produktivitätseffekte
  • Öko-soziale Abgabenreform (einerseits Erhöhung der Mineralölsteuer und andererseits Reduzierung der Sozialversicherungsbeiträge, die zu gleichen Teilen von den Ar-beitnehmerInnen und den ArbeitgeberInnen getragen wird),
  • Abbau umweltkontraproduktiver Subventionen (im Ausmaß von ca. 1 Mrd. jährlich bis 2025),
  • Förderung einer höheren Dienstleistungsnachfrage der Privaten Haushalte (Nachfra-ge nach arbeitsintensiven Dienstleistungen am privaten Konsum erhöht sich pauschal um ca. 3 Prozentpunkte bis 2025, gleichzeitig reduzieren Private Haushalte ihre Kon-sumausgaben für umweltschädliche Güter).

Die Modellierungsergebnisse zeigen, dass mit gezielten Gegenmaßnahmen, die nicht auf eine Wachstumsbeschleunigung ausgerichtet sind, die negativen ökonomischen Folgen einer Wachstumsschwäche abgefedert werden können. Die Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung und der ökosozialen Abgabenreform können Verschlechterungen auf dem Arbeitsmarkt reduzieren. Die negativen Effekte auf den Staatshaushalt können durch einen Abbau von umweltkontraproduktiven Subventionen verringert werden. Gleichzeitig werden Verhaltensänderungen bei privaten Haushalten induziert, die auf eine Reduktion des energie- und ressourcenintensiven Konsums abzielen. Neben den positiven ökonomischen Folgen wirken sich die vier getätigten Maßnahmen auch vorteilhaft auf die Umwelt aus. So reduzieren sich die CO2-Emissionen im Vergleich zum Wachstumsschwächeszenario deutlich, trotzdem ist die Verminderung nicht ausreichend, um die österreichischen Klimaziele zu erreichen. Allerdings muss hier berücksichtigt werden, dass die Maßnahmen nicht primär darauf ausgerichtet sind, energie- und klimapolitische Zielsetzungen zu erreichen. Sie dienen in erster Linie dazu, die negativen Folgen einer anhaltenden Wachstumsschwäche auf Beschäftigung, Konsum und Staatshaushalt abzufedern. Die Veränderungen des Materialeinsatzes sind zwischen Maßnahmen- und Wachstumsschwächeszenario gering, da die ergriffenen Maßnahmen hauptsächlich auf die Reduktion der CO2-Emissionen abzielen.

Es ist essentiell, die angestrebten Veränderungen nicht einzeln zu analysieren. Erst bei einer integrierten Betrachtung werden sich gegenseitig verstärkende aber auch kompensierende Wirkungen sichtbar.

Download des Endberichts.
Download des Working Papers (auf Englisch).
Download des Fact Sheets.

Kontakt:
Andrea Stocker
Elke Pirgmaier
Friedrich Hinterberger

Auftraggeber:
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung

Projektdauer:
November 2009 – Dezember 2010

Projektpartner:
GWS Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH (GWS), Osnabrück, Deutschland