RESA

Wachstums-, Beschäftigungs- und Umweltwirkungen von Ressourcen-einsparungen in Österreich

In diesem Projekt untersuchten wir, welche Auswirkungen auf Beschäftigung, Wirtschaft und Umwelt entstehen, wenn Unternehmen verstärkt in Ressourcenproduktivität investieren und damit die innerbetrieblichen Kosten senken. In Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber und ExpertInnen wurden Szenarien entwickelt, die mögliche Dematerialiserungsstrategien beschreiben. Diese Szenarien wurden mit einem neuen integrierten ökologisch-ökonomischen Modell für Österreich simuliert.

Obwohl in allen Wirtschaftsbereichen (Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen) die Ressourcen- und Arbeitseffizienz gestiegen ist, werden weltweit von Jahr zu Jahr mehr Ressourcen extrahiert, während die Arbeit bei hoher Arbeitslosigkeit immer intensiver wird. Eine erfolgsversprechende Strategie, um die Beschäftigungslage zu verbessern und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch einzudämmen, ohne dadurch die Wirtschaftsentwicklung negativ zu beeinflussen, liegt darin, Unternehmungen dahingehend zu beraten, brachliegende Dematerialisierungspotentiale aktiv zu nutzen und damit Ressourcenkosten einzusparen.

Berechnungen der Unternehmensberatung Arthur D. Little für Deutschland deuten auf ein realistisches Reduktionspotential von 20 Prozent an Materialverbrauch bezogen auf einen Zeitraum von rund 10 Jahren hin und unterstreichen daher die Sinnhaftigkeit einer derartigen Vorgehensweise.

Um das österreichische Einsparpotential der einzelnen Sektoren festzustellen, wurde im Rahmen von RESA ein Workshop mit ExpertInnen und Stakeholdern veranstaltet. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wurden verschiedene Szenarien entwickelt, die mit Hilfe des integrierten Umwelt-Energie-Wirtschafts-Modells e3.at simuliert wurden. Mit dem Modellsystem ist es möglich, neben der Berechung der gesamtwirtschaftlichen Ressourceneinsparungen und den Auswirkungen auf nationale und internationale CO2-Emissionen auch die markro-ökonomischen Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum und Beschäftigung auf die verschiedenen Branchen der österreichischen Volkswirtschaft zu analysieren. Eine wesentliches Modelleigenschaft stellt die Abbildung des Strukturwandels in möglichst tiefer sektoraler Gliederung dar, um die strukturellen Verflechtungen zwischen den einzelnen Branchen der österreichischen Volkswirtschaft und ihre Interaktion mit der Umwelt abbilden zu können. Die Simulation mit einem Strukturmodell ermöglicht es, Gewinner und Verlierer von Ressourceneinsparungen zu identifizieren.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein sparsamerer (d.h. effizienterer) Umgang mit natürlichen Ressourcen die wirtschaftliche Entwicklung beleben, die Wettbewerbsfähigkeit stärken und Arbeitsplätze schaffen. Genau deshalb verringert sich aber der gesamte Ressourcenverbrauch nicht. Die Ressourceneinsparung verringert die Produktionskosten und verbessert die Wirtschaftlichkeit; da das eingesparte Geld aber die Nachfrage nach Ressourcen erhöht, ist der gesamte Umwelteffekt gering. Dies wird oft als „Reboundeffekt“ bezeichnet.

Daher ist es entscheidend, eine effektive Ressourcenpolitik in Angriff zu nehmen, die in der Lage ist, die vorhandenen Potentiale zur Effizienzsteigerung in den Unternehmen zu nutzen, gleichzeitig aber den Reboundeffekt über geeignete Maßnahmen einzudämmen. Der nationale Aktionsplans zur Steigerung der Ressourceneffizienz, der derzeit erarbeitet wird und Ende des Jahres verabschiedet werden soll, sollte diese Problematik berücksichtigen und könnte so dazu beitragen, mit Hilfe von kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen den Energie-, Material- und Flächenbedarf absolut zu reduzieren.

Bisherige Bemühungen zur Ressourcenschonung waren hauptsächlich auf die Energieeffizienz ausgerichtet. Es wurde zunächst das Ziel formuliert, den Gesamtverbrauch an Primärenergie bis 2020 um 20% zu senken. Mit der Einführung eines Energiefonds wurde auch ein erster Schritt zur Umsetzung eingeleitet. Verbindliche Zielsetzungen müssten auch für den Material- und Flächenverbrauch definiert werden, um die Umsetzung einer langfristigen Ressourcenpolitik zu unterstützen.

Ein sinnvolles Paket an Maßnahmen muss sich auf Unternehmen, Haushalte und die politischen Rahmenbedingungen (z.B. Steuern oder Zertifikate) gleichermaßen beziehen. Wie ein solcher Mix im Detail aussehen kann, ist noch genauer zu untersuchen: Wie etwa eine Veränderung der Konsummuster oder ein verändertes Arbeitszeitregime auf den Ressourcenverbrauch wirkt, ließ sich im Rahmen dieses Projektumfangs nicht zufriedenstellend analysieren und bleibt weiteren Forschungsarbeiten vorbehalten.

Download des Projektberichts.
Download der Präsentation der Projektergebnisse auf der ESEE 2007 (auf Englisch).

Kontakt:
Andrea Stocker
Friedrich Hinterberger

Auftraggeber:
Lebensministerium

Projektdauer:
Dezember 2005 – Jänner 2007

Projektpartner:
GWS Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH (GWS), Osnabrück, Deutschland